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Trumix.com : Podcast : Die Stimme der freien Welt

Die Stimme der freien Welt

Language: German
Category: Society and Culture /
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Weblog with Podcast from Berlin, Germany in german language.

Die Stimme der freien Welt|Zukunftsplanung Episode

Die erste Generation verdient das Geld,die zweite verwaltet das Vermögen,die dritte studiert Kunstgeschichte,und die vierte verkommt vollends...- Otto Eduard Leopold von Bismarck-SchönhausenWenn man über die ganze Tragödie der aktuellen wirtschaftlichen Situationnachdenkt, ist es dabei interessant zu beobachten, wie schnell sich die Zeitenändern. Wir schreiben gerade das Jahr 2005. Vor nicht allzulanger Zeit, umgenau zu sein vor ca. fünf Jahren, da waren Dinge wie ALG 2,"Montagsdemonstrationen", Hartz IV, Agenda 2005 und ähnliches noch Fremdwörter.Es wurden rauschende Parties gefeiert, Champagner floß in Strömen - undJobprobleme gab es nicht. Und man behaupte jetzt bitte nicht, daß dies nureinige wenige glückliche Informatiker betraf. Ich möchte nicht wissen, wievieleansonsten arbeitslose Kulturwissenschaftler plötzlich als Account Manager inirgendwelchen Agenturen unterkamen und wieviele miese Germanisten zuWirtschaftsfachjournalisten bei Zeitungen wurden, die mit"E-"oder"Net-"anfingen.Vor Augen halten sollte man sich aber: All dies ist aber nur fünf Jahre her.Wenn man sich das"aktuelle Stimmungsbild der Bevölkerung"ansieht (werauch immer das aufstellt), dann könnte man meinen, Deutschland befände sichbereits seit über 30 Jahren in einem tiefen Tal der Trauer.Dies hängt aber nicht nur mit der wirtschaftlichen Situation zusammen, sondernauch damit, wie es dazu kam, daß momentan reihenweise Leute aus dem Studium indie Arbeitslosigkeit fallen.Ich bin in Berlin-Zehlendorf aufgewachsen. Das ist ein netter, grüner Bezirk imSüdwesten Berlins, der zu großen Teilen von Bewohnern bevölkert wird, die der"gehobenen Mittelschicht"zugehörig sind. Wohlgemerkt, Zehlendorf ist NICHT dasDahlemer Villenvirtel. Natürlich gibt es auch hier einige Villen mit tausendenQuadratmetern Grund - häufig schlau in Zeiten der Chrustschow-Krise für einenApfel und ein Ei gekauft.Aber im großen und ganzen sind die Bewohner eher aus der typischen FraktionApotheker-Anwälte-Ärzte, gehobene Beamte oder auch mal einige Künstlerzuzuordnen. Und übrigens fast alles Einzelverdienerhaushalte.Viele haben zwei Kinder, haben sich über die Jahre ein kleines Haus oder eineEigentumswohnung finanziert und leben in wirtschaftlich abgesichertenVerhältnissen. Große Autos wurden meist nicht gekauft, der Passat oder der GolfKombi war das Auto der Wahl. Schon einen Mercedes sieht man seltener, S-Klassenoder gar Ferrari stehen höchstens in der Garage von Einzelnen. Der eine oderandere leistete sich auch mal ein kleines Boot auf dem Wannsee, aber alleshielt sich sehr in Maßen. Man drehte nicht jeden Cent zweimal um, aber das Geldwurde auch nicht sinnlos ausgegeben.Oft sprang auch noch soviel bei raus, daß den Kindern fast alle Wünsche erfülltwerden konnten, vom fast obligatorischen Führerschein zum 18. Geburtstag bishin zur freien Studienwahl inklusive Finanzierung.Sicherlich, es gibt auch Ausreißer.Der achtstellige Millionenbeträge schwere Grundbesitzer, der so knauserig war,daß seine Frau Haushaltsgeld bekam und die Tochter im Supermarkt an der Kassesitzen mußte, um sich ihr Taschengeld aufzubessern. Sein Geld hat ihm übrigensbei seinem Herzinfarkt auch nicht weitergeholfen.Oder der Sohn, der nach einigen gewagten und eher halbseidenenImmobilienprojekten den Wohnsitz fix nach Kanada verlagern mußte, damit hiernicht die Handschellen klicken. Was ihn aber nicht davon abhält, seinen Bruderhier regelmäßig mit den neuesten Porsche-Modellen zu versorgen. Wie heißt esschon bei Bert Brechts Mahagonny? Nur wenn man insolvent ist, wird manhingerichtet. Betrug ist dagegen kein Grund.Diese Leute findet man in Zehlendorf ebenfalls, aber nur sehr vereinzelt. DerGroßteil der - wie sie die SPD nennen würde - Besserverdienenden überwiegt.Das interessante an dieser Betrachtung sind aber nicht die Eltern, sondern dieKinder, sprich meine Generation. Die wird es nämlich sehr schwer haben, alleinnur den bisherigen Lebensstandard zu halten, den sie während des Studiums dankder Finanzierung von Mami und Papi hatten.Eines des Handicaps, welches die Kinder durch dieses sorglose Aufwachsen dieWiege gelegt bekamen, ist die Möglichkeit zur völlig freien Entscheidung,welchen Berufsweg sie später mal gern einschlagen würden. Völlig freieEntscheidung ist doch gut, höre ich da den einen oder anderen aufschreien? Readon, my dear.BWL, Jura und Medizin wurden zwar ab und zu gern gesehen, aber von nahezukeinem Elternteil nachdrücklich eingefordert.Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften? Toll! Sozialpädagogik?Klasse. Gender Studies? Das ist ja interessant! Sinnologie, Psychologie undIndologie? Wie weltoffen.Sehr weltoffen. Leider aber häufig völlig unbrauchbar im Berufsleben, wenn mansich nicht gerade für eine universitäre Karriere entscheidet, für dieeinerseits nicht jeder sonderlich geeignet ist und in der andererseits dieC4-Stellen auch nicht gerade dicht gesäät sind.Sichrlich finden sich viele Gründe, lieber Geisteswissenschaften zu studierenals die Anwaltskanzlei des Vaters zu übernehmen. Aber besonders weit gedachtist es nicht. Das wird der eine oder andere nach über 150 erfolglosenBewerbungen während des Jobbens im Cafe im PrenzlauerBerg in einer ruhigen Minute auch schon festgestellt haben.Interessanterweise waren gerade die Leute am schnellsten mit dem Studiumfertig, die am wenigsten Geld von ihren Eltern erhalten haben. Der Rest bewegtsich langsam aber sicher in zweistelligen Semesterzahlen.Einige haben Glück gehabt. Der eine wurde Lehrer und sieht einer sicherenBeamtenkarriere entgegen. Die andere hat Pech: hochintelligent, fertigausgebildete Ärztin - und findet keinen Job. Jetzt denkt sie über Ausland nach.Brilliant, wie der Staat erst Millionen in die Ausbildung steckt und die Leutedann mehr oder weniger wegschickt. Aber gut, weg von der VWL, zurück zu Thema.Auch ich hatte seinerzeit aufgrund diverser künstlerischer Fähigkeiten, die mirin die Wiege gelegt wurden, darüber nachgedacht, etwas im musikalischen Bereichzu machen - und mich dann dennoch zugunsten einer Tätigkeit"in derWirtschaft"(wie man so schön sagt) entschieden. Ich habe die Pläne seinerzeitsimpel und einfach wegen der Berufsaussichten wieder verworfen. Eine weise Wahlim Nachhinein.Der eine oder andere mag jetzt sagen: Wie desillusioniert.Ich sage: Wie weitsichtig.Den oben genannten Eltern wäre es nie eingefallen, bei wiederum ihren Elternmit Studienwünschen anzukommen, deren - vorsichtig formuliert - beruflicheVerwirklichung mehr als fragwürdig ist. Oder zumindestens stark vom Zufallabhängt.Von dieser zugegebenermaßen nicht ganz freien Entscheidung profitierten dannjedoch nicht nur die Eltern, sondern eben genau die Kinder. Nur offensichtlichhaben sie nicht sehr viel davon gelernt. Wie ich bereits erwähnte: Es wird fürviele schwer, ihren bisherigen Lebensstandard zu halten - geschweige denn,ihren Kindern ähnliches zu bieten, was ihnen selbst widerfuhr.Ich bin gespannt auf die Zeit in 10 Jahren. Vielleicht sitzt dann der eine oderandere über seinem ALG 5-Bescheid und hofft auf das Erbe des Hauses seinerEltern. Und da waren doch auch noch ein paar Wertpapiere bei der Bank ...Goldene Zeiten nahen.[Diesen Artikel als Podcast hören|Podcast-Feed bei iTunes abonnieren]

[ Die, 19 Jul 2005 07:45:40 GMT ]


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