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Die Stimme der freien Welt|Politik und Bildung Episode
Alle Welt auf DrogeStädte im SchönheitsschlafPassagiere schlürfen eifrig AusternGepflegt heißt die ParoleGediegen gewinnt die WahlHier ist allessauber, Frohsinn ist angesagtWir drehen uns um uns selbstDenn was passiert, passiertWir wollen keinen EinflußWir werden gern regiertWir feiern hier ´ne PartyUnd du bist nicht dabei- Herbert Grönemeyer,"Luxus"(Anm. d. Red.: Ein Freund riet mir mal, das Thema Politik weitestgehendauszuklammern, da man dadurch mindestens die Hälfte der Stammleserschaftverschreckt, die nicht der gleichen politischen Meinung sind.Konsequenterweise setze ich mich aber über diesen Ratschlag hinweg. Weranderer Meinung ist, sei herzlich eingeladen, sie im Blog-Kommentarkundzutun. Ich freue mich über rege Diskussionen.)"Diesmal bin ich wirklich ratlos - ich weiß nicht, was ich wählen soll",sagt mein über 70jähriger Vater. Ich zucke bestätigend mit denSchultern."Ja, es gibt momentan keine wirklichen Alternativen.", sageich."Vor allem", fährt er fort,"hat doch keiner eine überzeugendePlanung über die nächsten vier Jahre hinaus. Die versuchen doch nur inblindem Aktionismus kurzfristige Lösungen zu finden. Tatsächlichelängerfristige Strategien existieren doch bei keiner Partei"."Es fehltwohl an wahren Staatsmännern", stimme ich zu.Das, was mein alter Herr dort formuliert, trifft genau das Problem:Alle Parteien planen maximal für das nächste Jahr, aber nicht vielweiter. Und, noch viel schlimmer, sie heucheln, daß sie mit dieserStrategie die anstehenden Probleme lösen würden. Was einfach nur glattgelogen ist.Jeder halbwegs klardenkende Bundesbürger dürfte inzwischen erkannthaben, daß es gegen die Anzahl der Arbeitslosen kein Patentrezept gibt,was man einfach anwendet, und alle werden glücklich. Dafür sind dieProbleme viel zu komplex und auf den verschiedsten Ursachen basierend.Keine Partei wird es schaffen, auf einen Schlag die Arbeitslosenzahlensignifikant zu senken. Und genau das traut sich niemand zu sagen.Konsequenterweise müßte sich ein Bundeskanzler nach vorne stellen undsagen:"Wir wissen ob der Probleme mit den Arbeitslosenzahlen in diesemLand. Dennoch wird es zu meinem größten Bedauern für viele von Ihnenkeine kurzfristige Lösung geben. Wir werden aber daran arbeiten, daß wirdie Situation für die Kinder besser machen und daß wir die jetzigenErwerbslosen so gut wie möglich sozial unterstützen."Das wäre die Realität - und es haben die meisten auch schon erkannt. Nurdas auzusprechen, das traut sich keiner. Weil es eben um Wahlmehrheitengeht.Wäre die SPD konsequent, müßte sie sich hinstellen und sagen:"LiebeKohlkumpels, ihr habe ne tolle Arbeit die letzten Jahrzehnte geleistet,aber jetzt brauchen wir die Arbeitskraft leider nicht mehr. Sie ist zuteuer. Wir könnten jedem von euch jährlich 60.000 EUR zahlen und kämendabei immer noch billiger weg."Das macht die SPD aber nicht. Genauso wie die CDU sich nach der Wahl nichthinstellen wird und sagt:"Liebe Wähler und Häuselebauer ausBaden-Würtemberg, toll, daß ihr uns gewählt habt. Leider ist dieEigenheimzulage nicht sinnvoll finanzierbar. Deswegen werden wir siestreichen."Traut sich auch keiner. Anstattdessen stellt sich Angie direkt nachihrer Kanzlerkandidatenkür nach vorn und redet völlig ungefragt, ohnedaß sie irgendjemand darum gebeten hat, darüber, daß sie denAtomausstieg rückgängig machen will. Da kann man doch nur sagen, dieFrau hat den Schuß nicht gehört. Und der einzige halbwegs klardenkendeMann der CDU, Friedrich Merz, hat das Schiff bereits verlassen.Traurige Tatsache ist auch, daß sich vor allem die Opposition konsequentaus dem Geschehen heraushält. Alle politischen Themen, die die Bürgermomentan bewegen, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Stabilität,Bürgerrechte und Sicherheit, Außenpolitik, etc. - all das sindbeispielsweise klassische Themen der FDP. Die hält sich aber völlig ausdem Geschehen heraus und schickt nur ab und zu den unsäglichenHampelmann Westerwelle nach vorn.Das Problem der Arbeitslosigkeit lösen sie jedenfalls alle nicht. Weilsie gar nicht an den eigentlichen Ursachen arbeiten - und schon garnicht an möglichen Strategien für die Zukunft.Fakt ist jedenfalls, daß in Deutschland zunehmend weniger klassische"Arbeiter"gebraucht werden. Den Trend der Verlagerung von Produktion inBilliglohnländer, der ist nicht aufzuhalten, auch wenn sich Herr Bsirskeund die unerträgliche Engelen-Käfer fünfmal im Kreis drehen undirgendwelche Streiks anzetteln.Deutschland ist seit jeher ein Land, was weder von seinen Rohstoffen,noch von seinen Bodenschätzen lebt. Das einzige Kapital, was Deutschlandhat, ist die Bildung seiner Bürger. Plakativ gesagt, die Ingenieure, diedie besseren Autos bauen.Und genau DAS, die Bildung, das ist das einzige, was Deutschlandlangfristig das Überleben sichert. Und genau diese Thematik steht zwarauf allen Parteiprogrammen, aber tatsächlich nimmt sie niemand ernst.Dabei ist das fast die EINZIGE Frage, um die sich Politiker kümmernsollten, wenn sie"Deutschland dienen"wollen.Vor einiger Zeit gab es mal einen ganz interessanten Vortrag von einemHarvard-Professor, der die Entwicklung der amerikanischenElite-Universitäten beschrieb. Auch diese schwammen nicht schon seitjeher im Geld und hatten die absoluten Top-Forscher.Vielmehr gab es in den 60'er, 70'er Jahren in den USA einmassives Bildungsförderungsprogramm, wo mehrstellige Milliardenbeträgein die Universitäten gepumpt wurden. Das Ergebnis ist bekannt.Hier kommt man maximal auf die Idee, drei"Elite-Universitäten"zufördern. Heißt, die anderen sind alle Durchschnitt? Na, wenn das allesist, was einem zum Thema Bildungspolitik einfällt, dann gute Nacht.Und wie es um die aktuelle Bildung in Deutschland bestellt ist, dabrauche ich mir nicht mal die PISA-Ergebnisse durchzulesen. Da reicht esschon, wenn ich mich in unserem Unternehmen in Bewerbungsgespräche mitAzubis (alle übrigens mit Abitur) reinsetze. Von den 30 schriftlichenBewerbungen kann man schonmal 25 aufgrund mangelhafter Qualität odereklatanter Anzahl von Rechtschreibfehlern aussortieren. Von denjenigen,die dann kommen, sind über zwei Drittel nicht in der Lage 16%Mehrwersteuer von 320 EUR auszurechnen. Siemens z.b. hat seitJahrzehnten in bestimmten Teilen den gleichen Einstellungstest fürAzubis. Wenn sie heute den Test von 1970 schreiben würden, fielen fastalle durch. Und diese Menschen sollen mal Eure Rente bezahlen. Na prost.Deutschland hat meines Erachtens nach - im Gegensatz zur landläufigenMeinung - auch kein Problem mit der Bevölkerungsentwicklung. Es istüberhaupt nicht tragisch, wenn aufgrund sinkender Geburtenraten dieBevölkerungsanzahl um ein paar Millionen sinkt - sofern diejenigen, diearbeiten, aufgrund des Bildungsstandards eine so hohe Produktivität anden Tag legen, daß sich der Lebensstandard sowie das Niveau derSozialbezüge und Renten halten läßt. Das schafft man aber nicht miteiner Armee von subventionierten Kohlekumpels und Bauern.Mit der jetzigen Bildungspolitik, der Struktur an den Universitäten undder nichtexistenten Leistungskontrolle an Schulen wird Deutschlandjedenfalls im internationalen Wettbewerb kläglich scheitern. Schon jetztwird nur noch von den Reserven gelebt. Das erkennt man zum Beispieldeutlich an der kontinuierlich sinkenden Anzahl ausländischer Studenten.Daher täte jede Regierungspartei, egal welche es wird, gut daran, soweit wie möglich Subventionen abzubauen, das Steuersystem zuvereinfachen und jeden Euro, den sie in die Finger kriegen, massiv inBildung zu investieren. Aber bitte nicht planlos, sondern im Rahmeneiner Wettbewerbsituation mit einer entsprechenden Leistungskontrolle.Alles andere ist nur ein Kredit in die Zukunft und führt unweigerlichzum Absinken des Wohlstandsniveaus und einer immer weiteren Öffnung dervielbeschworenen sozialen Schere.Wer das als Politiker ignoriert und sich nicht traut, die Wahrheit zusagen, der ist schlicht und einfach: ein Lügner.[Diesen Artikel als Podcast hören|Podcast-Feed bei iTunes abonnieren]
[ Mit, 27 Jul 2005 08:19:34 GMT ]
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